Geschichte der Burg
Bollwerk gegen die Zeit – über 700 Jahre bewegte Historie
Die Geschichte der Burg Uda ist eng verknüpft mit den politischen Wirren des mittelalterlichen Niederrheins. Erbaut als Wasserburg und Machtsymbol von Dietrich Luf III. von Kleve, war sie eine Schlüsselfestung an der Grenze des Kölner Territoriums. Sie erlebte Belagerungen, Zerstörungen und Wiederaufbauten – doch die Besiedlung der Stätte reicht weit vor die Burgzeit zurück.
Wussten Sie schon?
Der Name „Oedt“ leitet sich von „Uda/Ude/Hude“ ab – die Burg gab der Siedlung ihren Namen. Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung seit der Römerzeit hin: Zwei große römische Bausteine aus Liedberger Steinbrüchen wurden nahe der Kirchenstelle gefunden. Forscher vermuten eine kleine römische Siedlung namens „loca huda“ – möglicherweise eine befestigte Flussanlegestelle an der Niers.
Wasserburg Uda
Die Burg Uda war eine Wasserburg – vollständig von einem Wassergraben umgeben, der von der Niers gespeist wurde. Diese Lage in der sumpfigen Niersniederung bot natürlichen Schutz und machte sie zu einer der bestverteidigten Anlagen am Niederrhein. Sie war zugleich einer der frühesten Backsteinbauten der Region.
Chronik der Burg Uda
Die wichtigsten Ereignisse im Überblick
Romanische Kapelle
Archäologische Befunde deuten auf den Bau einer romanischen Kapelle an der Stätte hin. Das Gebiet gelangt in den Besitz des Erzbistums Köln.
Schenkung an Gladbach
Erzbischof Gero von Köln schenkt die Region Oedt der Benediktinerabtei Gladbach (Mönchengladbach).
Erste Erwähnung von „Hude“
Abt Robert von Gladbach erwähnt in einer Abteiurkunde „unsere Kirche zu Oedt“ und nennt die St.-Vitus-Kirche namentlich. Dies ist die erste schriftliche Erwähnung des Ortes.
Erste Erwähnung als „Castrum Ude“
Am 13. Juni 1313 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Dietrich Luf III. von Kleve, Graf von Hülchrath, Herr von Kervenheim und Oedt, hat die Wasserburg als seinen Herrschaftssitz erbauen lassen. Die nahezu quadratische Anlage mit 35 Metern Seitenlänge und vier Ecktürme ist einer der frühesten Backsteinbauten am Niederrhein.
Verkauf von Hülchrath
Dietrich Luf III. verkauft die Grafschaft Hülchrath an Erzbischof Heinrich II. von Virneburg. Die Mittel fließen möglicherweise in den Ausbau der Burg Uda.
Tod des Erbauers
Dietrich Luf III. verstirbt. Die Herrschaft geht auf seine Nachkommen über. Tochter Elisabeth heiratet später Godart von Jülich.
Kölner Grenzfestung
Erbin Jolante verkauft die Herrschaft Oedt. Die Burg dient dem Kölner Kurfürsten als Verteidigung gegen die Herzogtürmer Jülich und Geldern. Das Amt Oedt wird als Verwaltungsbezirk eingerichtet.
Oedt zerstört – die Burg hält stand
In einer Fehde zwischen dem Kölner Erzbischof und dem Grafen von Berg wird die Siedlung Oedt zerstört. Die Burg Uda wird jedoch nicht eingenommen – ein Zeugnis ihrer Verteidigungsstärke.
Erstürmung in der Kölner Stiftsfehde
Die Burg wird während der Kölner Stiftsfehde von Hermann von Hessen erstürmt. Am 19. Juli 1477 wird der Frieden „uff dem Durmel“ besiegelt.
Renovierung durch Johann von Brempt
Umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Burg. Die Anlage wird an die Bedürfnisse der Zeit angepasst.
Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg
Am 17. Januar 1642 werden die kaiserlich-kölnischen Truppen in der Schlacht auf der Kempener Heide vernichtend geschlagen. 1643 zerstören hessische Truppen unter Oberst Rabenhaupt die Befestigungen der Burg Uda durch Feuer und Sprengung. Die berüchtigten „Hessenjahre“ brutaler Militärbesatzung beginnen.
Endgültige Zerstörung
Französische Offiziere befehlen den Abriss der Burganlage. Der Schutt wird zum Bau einer Straße durch das Niersbruch verwendet. Von der einst mächtigen Wasserburg überlebt nur der südöstliche Rundturm.
Gemeinde erwirbt die Burg
Die Gemeinde Oedt erwirbt die Burg Uda. 1957 folgen erste Restaurierungsarbeiten am Turm.
Archäologische Ausgrabungen
Unter der Leitung von Kurt Schietzel finden umfangreiche archäologische Grabungen statt. Über 100 Keramikgefäße und zahlreiche weitere Funde kommen ans Licht. Schietzel wird später durch seine Arbeiten an der Wikingersiedlung Haithabu international bekannt.
Kommunale Neuordnung
Oedt verliert seine Eigenständigkeit und wird ein Stadtteil der Gemeinde Grefrath im Kreis Viersen.
Umfassende Turmrestaurierung
Ein mehrjähriges Restaurierungsprojekt sichert den Turm für die Zukunft. Am 28. September 2013 wird das Jubiläum „700 Jahre Burg Uda“ mit einem großen Fest gefeiert. Der Turm erhält eine neue Aussichtsplattform sowie Informationstafeln und Vitrinen mit Funden.
Lebendiges Denkmal
Die Burg Uda ist ein geschütztes Baudenkmal, beliebtes Ausflugsziel und Wahrzeichen von Oedt. Der Heimatverein Oedt e.V. mit rund 570 Mitgliedern pflegt die Anlage und bietet regelmäßig Führungen, das Burgspektakulum und weitere Veranstaltungen an.
Architektur der Wasserburg
Eine Wasserburg mit Graben, gespeist von der Niers
Die Burg Uda wurde als Wasserburg errichtet – eine von einem Graben umgebene Befestigungsanlage, gespeist von der Niers. Der nahezu quadratische Grundriss mit vier Ecktürme machte sie zu einem herausragenden Bauwerk ihrer Zeit. Mit Außenmaßen von etwa 35 x 35 Metern und einem Innenhof von 18,70 x 23 Metern bot die Anlage Platz für Wohngebäude und Wirtschaftsräume.
Von den ursprünglich vier Ecktürme ist heute nur noch der südöstliche Rundturm erhalten. Mit einem Außendurchmesser von 9,49 Metern und 2 Meter dicken Mauern beherbergt er auf 5-6 Etagen bemerkenswerte Details: ein gotisches Kreuzrippengewölbe im 2. Obergeschoss, Reste eines Tuffsteinkamins im 4. Stock und einen Spitzbogenfries auf vorkragenden Konsolen.

Der Erbauer: Dietrich Luf III. von Kleve
Graf von Hülchrath, Herr von Kervenheim und Oedt – eine schillernde Persönlichkeit des mittelalterlichen Niederrheins. Als Spross einer Nebenlinie des Klever Grafenhauses navigierte er zwischen konkurrierenden Machtblöcken. 1314 verkaufte er die Grafschaft Hülchrath an das Erzbistum Köln, um seine Allianz und den Ausbau seiner Burg zu sichern. Er verstarb 1332 – sein Vermächtnis, der Turm der Burg Uda, überragt die Niersauen noch nach über 700 Jahren.
Archäologische Funde