Dietrich Luf III. von Kleve
Der Bauherr: verschuldeter Erbe, Verkäufer von Hülchrath, Herr von Kervenheim und Oedt.
Zur Person
Bollwerk gegen die Zeit – über 700 Jahre bewegte Historie
Die Geschichte der Burg Uda ist eng verknüpft mit den politischen Wirren des mittelalterlichen Niederrheins. Erbaut als Wasserburg und Machtsymbol von Dietrich Luf III. von Kleve, war sie eine Schlüsselfestung an der Grenze des Kölner Territoriums. Sie erlebte Belagerungen, Zerstörungen und Wiederaufbauten – doch die Besiedlung der Stätte reicht weit vor die Burgzeit zurück.
Der Name „Oedt“ leitet sich von „Uda/Ude/Hude“ ab – die Burg gab der Siedlung ihren Namen. Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung seit der Römerzeit hin: Zwei große römische Bausteine aus Liedberger Steinbrüchen wurden nahe der Kirchenstelle gefunden. Forscher vermuten eine kleine römische Siedlung namens „loca huda“ – möglicherweise eine befestigte Flussanlegestelle an der Niers.
Die Burg Uda war eine Wasserburg – vollständig von einem Wassergraben umgeben, der von der Niers gespeist wurde. Diese Lage in der sumpfigen Niersniederung bot natürlichen Schutz und machte sie zu einer der bestverteidigten Anlagen am Niederrhein. Sie war zugleich einer der frühesten Backsteinbauten der Region.
Burg Uda im Spannungsfeld mittelalterlicher Mächte
Die Burg Uda entstand nicht im politischen Vakuum: Grefrath-Oedt lag im späten Mittelalter an einer der umstrittensten Grenzregionen des Niederrheins – dem Dreieck zwischen dem Herzogtum Kleve, dem Herzogtum Jülich und dem Herzogtum Geldern. Das Erzstift Köln, das ab 1348 Herr über die Herrschaft Oedt wurde, nutzte die Burg als westliches Bollwerk gegen die expansiven Ambitionen seiner Nachbarn.
Diese Lage machte Burg Uda zu einem politisch und militärisch hochrelevanten Objekt. Ihre Geschichte ist daher nicht nur die Geschichte eines einzelnen Bauwerks, sondern ein Spiegel der wechselnden Machtverhältnisse am Niederrhein über mehr als drei Jahrhunderte.
Erbauer (1313):
Dietrich Luf III. von Kleve – Nebenlinie des Klever Grafenhauses
Ab 1348:
Erzbistum Köln – nutzt Burg als Grenzfestung nach Westen
Bedrohungen:
Herzogtum Jülich (Osten), Herzogtum Geldern (Norden),
Grafschaft Berg (Süden)
Sturm 1477:
Hessische Truppen im Auftrag rivalisierender Kölner Fraktionen
Die wichtigsten Ereignisse im Überblick
Archäologische Befunde deuten auf den Bau einer romanischen Kapelle an der Stätte hin. Das Gebiet gelangt in den Besitz des Erzbistums Köln.
Erzbischof Gero von Köln schenkt die Region Oedt der Benediktinerabtei Gladbach (Mönchengladbach).
Abt Robert von Gladbach erwähnt in einer Abteiurkunde „unsere Kirche zu Oedt“ und nennt die St.-Vitus-Kirche namentlich. Dies ist die erste schriftliche Erwähnung des Ortes.
Am 13. Juni 1313 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt: Dietrich Luf III. von Kleve, Herr von Kervenheim und Oedt, trägt seine Burg dem Erzbischof von Köln zu Lehen auf. Die Nennung fällt im Zusammenhang mit einer baulichen Erweiterung – errichtet wurde die Burg bereits um 1300, dendrochronologisch datiert auf etwa 1308 bis 1311. Die nahezu quadratische Anlage von etwa 30 Metern Seitenlänge mit vier Ecktürmen – zwei runden und zwei eckigen – ist einer der frühesten Backsteinbauten am Niederrhein. Mehr dazu auf der Seite Architektur.
Dietrich Luf III. verkauft die Grafschaft Hülchrath an Erzbischof Heinrich II. von Virneburg. Die Mittel fließen möglicherweise in den Ausbau der Burg Uda.
Dietrich Luf III. verstirbt. Den gesamten Besitz erbt seine Tochter Elisabeth, verheiratet mit Gottfried von Bergheim aus dem Jülicher Grafengeschlecht. Von nun an wird die Burg nicht mehr von ihren Besitzern bewohnt.
Jolanthe, Enkelin des Erbauers, und ihr Mann Graf Emicho von Leiningen verkaufen Burg und Amt Oedt an Markgraf Wilhelm von Jülich. Dieser muss aus Geldmangel an seinen Bruder Walram II., Kurfürst von Köln, weiterverkaufen. Die Burg wird kurkölnische Landesburg und Grenzfestung gegen Jülich und Geldern; das Amt Oedt wird als Verwaltungsbezirk eingerichtet.
In einer Fehde zwischen dem Kölner Erzbischof und dem Grafen von Berg wird die Siedlung Oedt zerstört. Die Burg Uda wird jedoch nicht eingenommen – ein Zeugnis ihrer Verteidigungsstärke.
Die Burg wird während der Kölner Stiftsfehde von Hermann von Hessen erstürmt. Am 19. Juli 1477 wird der Frieden „uff dem Durmel“ besiegelt.
Umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Burg. Die Anlage wird an die Bedürfnisse der Zeit angepasst.
Im Januar 1642 werden die kaiserlichen Truppen in der Schlacht auf der St. Töniser Heide geschlagen; die siegreichen Hessen erobern die Burg und plündern das Amt Oedt. Ein Angriff des Reitergenerals Jan von Werth im Oktober 1642 scheitert. Im Frühjahr 1643 nehmen kaiserliche Truppen unter Graf von Velen die Burg ein, doch Obrist Rabenhaupt erobert sie am 26. April 1643 für die Hessen zurück. Da sie nicht zu halten ist, lässt er alles Brauchbare entfernen und sprengt die Burg am 28. April 1643. Die Zerstörung ist jedoch nicht vollständig: Nach einer Instandsetzung dient die Burg noch fast 100 Jahre als Amtshaus.
Französische Truppen belegen das Amt Oedt. Ein Offizier ordnet an, den Knüppeldamm durch das Niersbruch zu verstärken, damit schwerer Nachschub aus dem Jülichschen rollen kann. Weil Baumaterial fehlt, wird die Burg abgetragen – sie diente ohnehin nur noch als Amtshaus und hatte militärisch keinen Wert mehr. Die Anlage endet als Straßenschotter in der Straße von Oedt nach Hagenbroich. Stehen bleiben der südöstliche Rundturm und ein Stück der Westmauer.
Die Gemeinde Oedt erwirbt die Burg Uda. 1957 folgen erste Restaurierungsarbeiten am Turm.
Unter der Leitung von Kurt Schietzel finden umfangreiche archäologische Grabungen statt. Über 100 Keramikgefäße und zahlreiche weitere Funde kommen ans Licht. Schietzel wird später durch seine Arbeiten an der Wikingersiedlung Haithabu international bekannt.
Oedt verliert seine Eigenständigkeit und wird ein Stadtteil der Gemeinde Grefrath im Kreis Viersen.
Ein mehrjähriges Restaurierungsprojekt sichert den Turm für die Zukunft. Am 28. September 2013 wird das Jubiläum „700 Jahre Burg Uda“ mit einem großen Fest gefeiert. Der Turm erhält eine neue Aussichtsplattform sowie Informationstafeln und Vitrinen mit Funden.
Die Burg Uda ist ein geschütztes Baudenkmal, beliebtes Ausflugsziel und Wahrzeichen von Oedt. Der Heimatverein Oedt e.V. mit rund 570 Mitgliedern pflegt die Anlage und bietet regelmäßig Führungen, das Burgspektakulum und weitere Veranstaltungen an.
Eine Wasserburg mit Graben, gespeist von der Niers
Die Burg Uda wurde als Wasserburg errichtet – eine von einem Graben umgebene Befestigungsanlage, gespeist von der Niers. Der nahezu quadratische Grundriss mit vier Ecktürmen, zwei runden und zwei eckigen, machte sie zu einem herausragenden Bauwerk ihrer Zeit. Die Hauptburg maß etwa 30 x 30 Meter; die inneren Gebäude lagen an der Ost-, Nord- und Westseite, während die Südseite durch einen rund acht Meter hohen, begehbaren Mauerzug gesichert war.
Von den ursprünglich vier Ecktürmen ist heute nur noch der südöstliche Rundturm erhalten. Mit einem Außendurchmesser von 9,49 Metern und Mauerstärken von bis zu 3 Metern war er ursprünglich fünfgeschossig und beherbergt bemerkenswerte Details: ein Kuppelgewölbe im Sockelgeschoss, ein gotisches Kreuzrippengewölbe im 2. Geschoss, im 4. Geschoss einen Kamin mit profilierter Wange aus Trachyt samt Aborterker sowie einen Spitzbogenfries auf vorkragenden Konsolen. Der ursprüngliche Eingang lag im 3. Geschoss auf der zum Burghof gerichteten Westseite.
Bauhistorisch ist die Burg Uda von besonderer regionaler Bedeutung: Sie zählt zu den frühesten Backsteinbauten am Niederrhein. Während im Rheinland des frühen 14. Jahrhunderts Naturstein noch dominierte, setzten Dietrich Luf III. und seine Baumeister konsequent auf gebrannten Ziegel – ein Baustoff, der aus den flachen, steinlosen Niederrheinniederungen stammte und der Region in den folgenden Jahrhunderten ihr unverwechselbares Gesicht geben sollte. In diesem Sinne ist Burg Uda nicht nur ein militärisches, sondern auch ein architekturgeschichtliches Dokument.

Graf von Hülchrath, Herr von Kervenheim und Oedt – eine schillernde Persönlichkeit des mittelalterlichen Niederrheins. Als Spross einer Nebenlinie des Klever Grafenhauses navigierte er zwischen konkurrierenden Machtblöcken. 1314 verkaufte er die Grafschaft Hülchrath an das Erzbistum Köln, um seine Allianz und den Ausbau seiner Burg zu sichern. Er verstarb 1332 – sein Vermächtnis, der Turm der Burg Uda, überragt die Niersauen noch nach über 700 Jahren.
Archäologische FundeBauherr, Bauwerk und Herrschaftsgeschichte im Detail
Der Bauherr: verschuldeter Erbe, Verkäufer von Hülchrath, Herr von Kervenheim und Oedt.
Zur PersonGrundriss, Rundturm und Baumaterial – mit maßstäblichen Zeichnungen.
Zur ArchitekturVon der Vogtei der Grafen von Kessel zur kurkölnischen Landesburg.
Zur Herrschaft