Burg Uda im winterlichen Wald

Sagen & Legenden

Geheimnisvolle Geschichten aus 700 Jahren Burggeschichte

Wo Mauern so alt sind wie die der Burg Uda, da ranken sich seit jeher Geschichten um das Gemäür. Generationen von Ödtern haben sich an langen Winterabenden Sagen erzählt, die von verwunschenen Burgfrauen, verborgenen Schätzen und unerklärlichen Erscheinungen handeln. Hier sind die bekanntesten Legenden, die sich um die Burg Uda ranken.

Das verwunschene Burgfräulein

„In den Nächten um Mittsommer, wenn der Nebel über den Niersauen liegt, soll eine weiße Gestalt auf der Turmspitze der Burg Uda erscheinen. Es ist das Burgfräulein, das einst aus unerwiderter Liebe zu einem fahrenden Ritter den Verstand verlor und sich vom Turm in den Burggraben stürzte.“

Die Sage vom verwunschenen Burgfräulein ist die bekannteste Legende der Burg Uda. Sie erzählt von einer jungen Adligen – manche Überlieferungen nennen sie Adelheid, andere Mechthild – die im 15. Jahrhundert auf der Burg lebte. Ein fahrender Ritter, der während eines Turniers in Oedt gastierte, gewann ihr Herz. Doch er zog weiter, und das Fräulein wartete vergeblich auf seine Rückkehr.

Der Legende nach erscheint ihr Geist noch heute in Vollmondnächten auf dem Turm. Wer genau hinhört, soll leise Klagelaute vernehmen, die der Wind über die Niersauen trägt. Ältere Ödter berichten, dass in besonders stillen Nächten ein schwaches Licht im obersten Turmfenster zu sehen ist – obwohl der Turm nachts verschlossen ist.

Die Herkunft des Namens „Uda“

Der Name der Burg – und damit des Ortes Oedt – hat die Forscher und Geschichtenerzähler gleichermaßen beschäftigt. Die historische Erklarung ist nüchtern: „Hude“ oder „Ude“ bezeichnete im Mittelniederdeutschen eine Anlegestelle oder einen geschützten Hafen an einem Fluss. Die Niers war jahrhundertelang ein wichtiger Transportweg, und an der Stelle der späterin Burg befand sich wohl ein Landeplatz.

Doch die Volksüberlieferung kennt eine andere Geschichte:

„Uda war der Name einer Kräuterhexe, die am Ufer der Niers in einer Hütte lebte. Sie kannte die Heilkraft jeder Pflanze und heilte die Kranken der Umgebung. Als ein strenger Pfarrer sie der Hexerei bezichtigte, verschwand sie spurlos – doch die Menschen nannten den Ort fortan nach ihr.“

Sprachwissenschaftlich gesichert ist die Ableitung: Hude (1170) → UdeUdaÜdeOydeOidtÖdOedt. Möglichrweise lässt sich der Name sogar auf eine römische Siedlung „loca huda“ zurückführen – eine befestigte Flussanlegestelle an der Niers.

Der verborgene Schatz

„Als die hessischen Soldaten 1643 die Burg in Brand steckten, soll der letzte Amtmann in aller Eile den Kirchenschatz und die Dokumente des Amtes Oedt in einem unterirdischen Gang versteckt haben. Der Gang, so heißt es, führt von der Burg unter der Niers hindurch bis zur St.-Vitus-Kirche. Wer ihn findet, findet auch den Schatz.“

Die Sage vom unterirdischen Gang zwischen Burg und Kirche ist am gesamten Niederrhein verbreitet – fast jede Burg hat eine solche Überlieferung. Bislang wurde bei keiner Grabung ein solcher Gang entdeckt. Die Entfernung zwischen Burg und Kirche beträgt rund 500 Meter, und der sumpfige Boden der Niersauen hätte den Bau eines solchen Tunnels äußerst schwierig gemacht.

Dennoch: Bei den Ausgrabungen 1959–62 wurden tatsächlich Fundamentreste entdeckt, die nicht eindeutig zugeordnet werden konnten. Und die Frage, was aus dem Archiv des Amtes Oedt wurde, als die hessischen Truppen die Burg zerstörten, ist historisch tatsächlich ungeklärt.

Die Geisterkutsche der Niersfurt

„An nebligen Herbstabenden, wenn die Niers kaum zu sehen ist, hört man manchmal das Rattern einer Kutsche und das Schnauben von Pferden auf dem alten Weg zur Burg. Doch wenn man nachschaut, ist niemand da – nur die Krähen fliegen auf, als wäre etwas vorbeigefahren.“

Diese jüngere Sage stammt vermutlich aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, als die Burgruine bereits verfallen war. Sie wird mit dem letzten französischen Offizier in Verbindung gebracht, der 1757 den Abriss der Burg befahl. Der Legende nach bereut er seine Tat und fährt in alle Ewigkeit die Straße entlang, die aus dem Schutt der Burg gebaut wurde.

Fakten und Legenden

Wo hört die Geschichte auf und wo beginnt die Legende? Bei der Burg Uda verschwimmen die Grenzen. Entdecken Sie die dokumentierte Geschichte und die archäologischen Funde, die manche Sage in neuem Licht erscheinen lassen.

Geschichte erkunden Archäologische Funde