Geschichte

Dietrich Luf III. von Kleve

Der Bauherr der Burg Uda – ein verschuldeter Erbe am Niederrhein

Wer eine Burg baut, hat einen Grund. Bei Dietrich Luf III. von Kleve war es ein handfester: Er hatte seinen Wohnsitz verkauft und brauchte einen neuen.

Das ist die kürzeste Erklärung dafür, dass in der Niersniederung bei Oedt um 1300 eine aufwändige Kastellburg entstand. Die längere Erklärung handelt von einer verlorenen Schlacht, von Lösegeldforderungen und von einem Erbe, das mehr Schulden als Spielraum enthielt.

Auf einen Blick

Titel, Daten, Wirkung

um 1300
Bau der Burg Uda
1314
Verkauf der Grafschaft Hülchrath
1323
Ablegung des Grafentitels
1332
Todesjahr

Das Erbe: Worringen und die Folgen

Die Vorgeschichte beginnt bei seinem Vater. Als 1285 der letzte Graf von Kessel starb, heiratete Dietrich Luf II. von Kleve, Graf von Hülchrath, die Witwe von Kessel. Für ihn war das eine einträgliche Verbindung: Neben dem Stammsitz Grevenbroich fielen ihm die Vogteien Kempen, Oedt und Tegelen zu.

Bevor daraus ein stabiles Territorium werden konnte, kam der Limburger Erbfolgestreit dazwischen. Luf II. stand auf der Seite des Kölner Kurfürsten und verlor mit ihm 1288 in der Schlacht von Worringen seine Freiheit und große Teile seines Besitzes. Was folgte, waren Lösegeldforderungen der Stadt Köln und des Herzogs von Jülich.

Als Luf II. starb, hinterließ er seinem Sohn auf dem Papier einen stattlichen Besitz: die Grafschaft Hülchrath, das saynsche Erbe, das 1255 an Kleve gefallen war, sowie Burg und Herrschaft Kervenheim und die Herrschaft Oedt. Tatsächlich war dieser Besitz durch die Lösegelder und die aufwändige Lebensführung des Vaters stark verschuldet.

Der Verkauf und der Neubau

Dietrich Luf III. zog die Konsequenz: Er verkaufte die Grafschaft Hülchrath und das saynsche Erbe. Der Verkauf von Hülchrath ging 1314 an Erzbischof Heinrich II. von Virneburg von Köln – womit die Grafschaft dem Haus Kleve dauerhaft verloren war.

Er nannte sich fortan Dietrich Luf der III. von Kleve, Herr von Kervenheim und Hude. Ab 1323 ließ er den Titel eines Grafen von Hülchrath endgültig fallen und bezeichnete sich nur noch als Herr von Kervenheim und Oedt.

Mit der Grafschaft hatte er auch seinen Wohnsitz verkauft. Deshalb errichtete er um 1300 die Burg Uda in Oedt und zog dorthin. 1313 trug er sie dem Erzbischof von Köln zu Lehen auf – jene Urkunde, die die Burg erstmals nennt.

Diese Reihenfolge erklärt den Charakter der Anlage. Die Burg Uda war kein Verwaltungsposten am Rand eines großen Territoriums, sondern der neue Herrschaftsmittelpunkt eines Mannes, der andere Optionen nicht mehr hatte. Er baute eine regelmäßige Kastellburg mit vier Ecktürmen, weil sie repräsentieren und verteidigen musste.

Politisch hielt er die Linie seines Vaters: enge Anlehnung an den Erzbischof von Köln, verbunden mit einer Politik gegen seinen Vetter, Graf Dietrich von Kleve. Weil Luf III. zahlreiche Güter und Rechte auch außerhalb von Oedt besaß – in Kempen, Hüls und in klevischen Gebieten –, reichte die Bedeutung der Burg als Herrschaftsmittelpunkt weit über den Ort hinaus.

Nach seinem Tod: die Erbfolge

Vom Familiensitz zur kurkölnischen Landesburg in sechzehn Jahren

1332

Tod Dietrich Lufs III.

Den gesamten Besitz erbt seine Tochter Elisabeth, verheiratet mit Gottfried von Bergheim aus dem Jülicher Grafengeschlecht. Von nun an wird die Burg nicht mehr von ihren Besitzern bewohnt.

nach 1332

Übergang an Jolanthe

Der Besitz geht von Elisabeth von Bergheim auf deren Tochter Jolanthe über, die mit Graf Emicho von Leiningen verheiratet ist.

1348

Verkauf an Jülich

Jolanthe und Emicho von Leiningen verkaufen Burg und Amt Oedt an Markgraf Wilhelm von Jülich.

kurz darauf

Weiterverkauf an Kurköln

Wilhelm von Jülich muss Amt und Burg aus Geldmangel an seinen Bruder Walram II., Kurfürst von Köln, verkaufen – vermutlich sehr ungern, denn mit der Burg beherrschte er das mittlere Nierstal. Die Burg Uda wird zur kurkölnischen Landesburg und Grenzfestung gegen Jülich und Geldern.

Familie und Forschungsstand

Dietrich Luf III. wurde vor 1285 als Kind aus der ersten Ehe seines Vaters geboren. In erster Ehe war er mit einer Jolanta verheiratet, aus dieser Verbindung stammte seine einzige Tochter Elisabeth. 1323 heiratete er Mathilde von Voorne. Er starb 1332.

Widersprüchliche und offene Angaben

• Der Ehemann Elisabeths wird als Gottfried von Bergheim aus dem Jülicher Grafengeschlecht bezeichnet; ältere Darstellungen nennen abweichend einen „Godart von Jülich“. Ob dieselbe Person gemeint ist, ist zu klären.
• Zur Person Jolanthes ist zu beachten, dass auch die erste Ehefrau Dietrich Lufs III. Jolanta hieß. Erbin war die Enkelin, nicht die Ehefrau.
• Genaues Geburtsjahr
• Genaues Todesdatum; belegt ist nur, dass er vor dem 10. November 1332 starb
• Grablege

Quellen und Stand

Grundlage sind Karl-Heinz Brocker, Geschichte des alten Amtes und späteren Gemeinde Oedt, herausgegeben vom Heimatverein Oedt e.V. (PDF) und EBIDAT – Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstitutes, Eintrag Burg Uda in Oedt (ebidat.de) sowie die genealogischen Angaben der einschlägigen Nachschlagewerke. Wo Darstellungen voneinander abweichen, ist dies oben vermerkt.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

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