Geschichte

Das Amt Oedt

Vogtei, Landesburg, Verwaltungsbezirk – 800 Jahre Herrschaftsgeschichte

Die Burg Uda war nie nur ein Bauwerk. Sie war der Mittelpunkt eines Herrschaftsbezirks, der über Jahrhunderte bestand und den Alltag mehrerer tausend Menschen bestimmte: des Amtes Oedt. Wer die Burg verstehen will, muss dieses Gebilde kennen – denn es erklärt, warum die Anlage so gut befestigt war und warum sie am Ende abgetragen wurde.

Das Territorium des Amtes wurde im Westen von der Niers, im Osten von der Schleck und der Floeth begrenzt. Weil diese Fluss- und Bachsysteme ausgedehnte Bruch- und Sumpfgebiete ausbildeten, blieb dazwischen ein Sandrücken als besiedelbares Land. Diese Lage war im Mittelalter ein Sicherheitsvorteil – und wurde in der Neuzeit zum Entwicklungshemmnis.

Die Äbte von Gladbach als Grundherren

Am Anfang steht eine Schenkung. Die Region Oedt kam als Ausstattungsgut an die Abtei Gladbach, deren Äbte seit dieser Zeit als Grundherren auftraten. Sie errichteten in Oedt einen Sal- oder Fronhof als Verwaltungsmittelpunkt. Dieser Hof stand bis 1604 und brannte dann ab; der Wiederaufbau diente ab 1757 auch als Amtshaus und wird heute als Pastorat genutzt.

Neben dem Salhof entstand eine kleine Kirche. Ihre Fundamente wurden 1965 bei einer Ausgrabung innerhalb der heutigen Kirche gefunden. Erstmals erwähnt werden diese Kirche und damit das Kirchdorf Oedt im Jahr 1170 in einer Urkunde des Abtes Robert. Sie war eine Eigenkirche der Abtei Gladbach – und wie Gladbach verehrt auch die Oedter Gemeinde den heiligen Vitus als Schutzpatron.

Im nördlichen Teil von Oedt waren die Äbte die einzigen Grundbesitzer. Im südlichen Teil, den Honschaften Hagen und Unterbroich, lag neben dem Gladbacher Besitz auch Streubesitz anderer geistlicher Korporationen, doch auch dort setzten die Äbte ihre Grundherrschaft früh durch.

Von der Vogtei zur Landesburg

Wie aus einem Verwaltungsamt eine Herrschaft wurde

12./13. Jh.

Die Grafen von Kessel als Vögte

Um ihren weit gestreuten Besitz zu verwalten, setzten die Äbte von Gladbach einen Vogt ein. Diese Rolle übernahmen die Grafen von Kessel – und steigerten die Vogteirechte durch ihr Machtstreben zu Herrschaftsrechten, zu Lasten der Abtei.

1285

Übergang an Kleve-Hülchrath

Als der letzte Graf von Kessel starb, heiratete Dietrich Luf II. von Kleve, Graf von Hülchrath, die Witwe von Kessel. Ihm fielen neben dem Stammsitz Grevenbroich die Vogteien Kempen, Oedt und Tegelen zu.

um 1300

Die Burg wird Herrschaftsmittelpunkt

Dietrich Luf III. errichtet die Burg Uda und baut die Herrschaft aus. Weil er Güter und Rechte auch in Kempen, Hüls und in klevischen Gebieten besaß, reichte die Bedeutung der Burg weit über Oedt hinaus.

1348

Verkauf an Jülich, dann an Kurköln

Jolanthe und Graf Emicho von Leiningen verkaufen Burg und Amt an Markgraf Wilhelm von Jülich. Dieser muss aus Geldmangel an seinen Bruder Walram II., Kurfürst von Köln, weiterverkaufen – vermutlich ungern, denn mit der Burg beherrschte er das mittlere Nierstal.

ab 1348

Selbstständiges Amt im Kölner Niederstift

Der Kurfürst gliedert das Amt Oedt in das Kölner Niederstift ein. Neben den Ämtern Liedberg, Linn, Uerdingen und Kempen bleibt es als selbstständiges Amt bis zur Franzosenzeit bestehen. Die Burg Uda wird kurkölnische Landesburg und Grenzfestung gegen Jülich und Geldern.

ab 1794

Auflösung in der Franzosenzeit

Das Rheinland wird in den französischen Staat eingegliedert, das Kurfürstentum Köln existiert nicht mehr, der Kirchenbesitz wird säkularisiert und verkauft. Das Amt Oedt wird aufgelöst: Die Honschaft Unterbroich kommt zur Gemeinde Neersen, aus dem Kirchspiel und der Honschaft Hagen entsteht die Gemeinde Oedt.

Wie das Amt aufgebaut war

Politisch war das Amt Oedt dreigeteilt. Der südliche Teil war die Honschaft Unterbroich, der mittlere die Honschaft Hagen, der nördliche das Kirchspiel Oedt. Das Kirchspiel war nochmals geteilt: in das Auffeld im Süden und das Niederfeld im Norden, wobei die Grenze an der Oedter Kirche verlief.

Im nördlichen Bereich des Auffeldes entwickelte sich das Burgdorf und späterer Markt-Flecken Oedt. Im mittleren Bereich des Niederfeldes, bei der Mülhauser Mühle, entstand später der Ortsteil Mülhausen.

Zwei Dörfer, die nicht zusammenwuchsen

Eine Besonderheit von Oedt: Das Burgdorf hatte zum etwa 150 Jahre älteren Kirchdorf keine bauliche Verbindung. Zwischen dem Niedertor und der Kirche bestand eine Lücke von rund 200 Metern. Erst im 18. Jahrhundert wuchsen die beiden Ortsteile baulich zusammen.

Das Burgdorf selbst war der Burg auf dem Sandrücken vorgelagert und mit Wall- und Grabenanlagen sowie drei Toranlagen gesichert. Der Weg zur Burg führte vom Burgdorf über die Oedter Mühlenanlage und die Vorburg in die Hauptburg.

Adelssitze, freie Güter und Mühlen

Die Burg war nicht der einzige feste Sitz im Amt

Honschaft Unterbroich

Gut Hohe Sand, Haus Stockum, Burg Clörath

Honschaft Hagen

Hof-Hof, Recken-Erb, Kreith, Schmetz und die beiden Franzes-Höfe

Kirchspiel Oedt, Auffeld

Haus Dücker, Brempter-Hof, Klein-Rath, Oedels-Hof

Kirchspiel Oedt, Niederfeld

Haus Aldenhoven, Dormels-Hof, Hoeveler-Hof, Lepelers-Hof, im nördlichsten Zipfel der Berghof und Haus Neersdom

Rittersitze mit Landstandsrecht

Altenhoff, Duicker und Clörath nahmen eine Sonderstellung ein: Sie berechtigten zur Wahl der ritterbürtigen Landstände.

Fünf Wassermühlen

An der Niers die Clörather, Oedter, Mülhauser und Neersdommer Mühle, an der Floeth die Oedter Ölmühle.

Der Preis der Grenzlage

Als kurkölnische Grenzfestung gegen Jülich und Geldern war die Burg Uda militärisch wertvoll. Für die Bevölkerung bedeutete das über Jahrhunderte vor allem eines: Durchmärsche, Einquartierungen, Plünderungen und Requirierungen. Die alten Chroniken halten fest, dass Häuser ausgeplündert und niedergebrannt wurden und dass immer wieder Bürger ums Leben kamen.

Nach dem Kölnischen Krieg folgte der Dreißigjährige Krieg, der ab 1640 mit voller Härte an den Niederrhein kam, weil andere Landstriche ausgeblutet waren. 1643 wurde die Burg gesprengt – blieb danach aber noch fast 100 Jahre als Amtshaus in Nutzung.

Danach ging es weiter: der zweite und dritte französische Raubkrieg 1672 und 1688, der Spanische Erbfolgekrieg 1701 bis 1713, in dessen Verlauf 1707 in Oedt 50 Wohnhäuser abbrannten – wahrscheinlich durch Brandstiftung plündernder Soldaten. Es folgten der Österreichische Erbfolgekrieg 1740 bis 1748 und ab 1756 der Siebenjährige Krieg, in dem Kurköln auf der Seite Österreichs und Frankreichs gegen Preußen stand.

In diesem letzten Krieg wurde die Burg 1757 als Steinbruch für einen Straßendamm abgetragen. Das Amt selbst trug am Ende eine Schuldenlast von 30.000 Reichstalern.

Quellen und Stand

Diese Seite folgt in Aufbau und Angaben Karl-Heinz Brocker, Geschichte des alten Amtes und späteren Gemeinde Oedt, herausgegeben vom Heimatverein Oedt e.V. (PDF), ergänzt um EBIDAT – Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstitutes, Eintrag Burg Uda in Oedt (ebidat.de). Namensformen der Höfe und Güter sind in der Quelle teilweise uneinheitlich geschrieben und hier unverändert übernommen. Eine Liste der Amtmänner des Amtes Oedt liegt uns nicht vor.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

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Herrschaft, Bauherr und Bauwerk

Person

Dietrich Luf III. von Kleve

Der Bauherr und seine Erben: von Worringen bis zum Verkauf an Kurköln.

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Quellen

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